Jellow berichtet über seine Zeit als Besuchshund

Gestatten Sie, dass ich mich persönlich vorstelle. Mein Name ist Jellow, ich bin ein 13-jähriger Labradorrüde und lebe seit 6 Jahren bei meinem Herrchen Jupp in Bochum.

An die ersten Jahre meines Lebens denke ich nicht gerne zurück. Geboren in Spanien, später Umsiedlung nach Norddeutschland, dann Abgabe durch meine damalige Familie. Über die Retrievernothilfe habe ich Jupp gefunden und wurde der glücklichste Hund der Welt.

Damals war Jupp bereits Mitglied im Besuchshundeverein Bochum und mit seiner Hündin Amy, bis zu deren plötzlichen Tod nach schwerer Krankheit, als Besuchsteam in einem Bochumer Seniorenheim ehrenamtlich tätig gewesen.

Direkt nach meinem Einzug nahm mich Jupp mit zum monatlichen Treffen des Vereins. Alle waren begeistert von mir, wie schnell ich mich eingelebt hatte und vor allem von meiner freundlichen und offenen Art bei der Begegnung mit Zwei- und Vierbeinern.

Mein Lebensmotto lautet: Gelassen und freundlich bleiben, egal was passiert.

Im Verein stand für alle sofort fest und ich konnte es gar nicht glauben:

Ich, Jellow, der Notfallhund, den keiner haben wollte, sollte Besuchshund werden.

Vorher musste ich aber noch den Besuchshundeeignungstest erfolgreich bestehen. Ich war schon ziemlich aufgeregt, da ich nicht wußte, was man von mir im Test erwartete und was ich noch vorher alles lernen muss. Erstaunlicherweise übte Jupp nichts Besonderes mit mir, das sollte mir ja was werden mit dem Eignungstest.

Der Test war schon komisch, die Vereinsmitglieder stellten in einem Seniorenheim eine Besuchssituation nach und die testende Tierärztin ließ sich so einiges einfallen, um mich aus der Ruhe zu bringen.

Aber mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe, auch kein Besuchshundeeignungstest.

Ich habe bestanden und war geprüfter Besuchshund.

Jupp war mächtig stolz auf seinen Kumpel.

Ab März 2010 besuchten wir einmal wöchentlich in unserem Seniorenheim ehrenamtlich einzelne Bewohner. Ich habe alle freundlich begrüßt, es wurde gestreichelt, geknuddelt, gespielt und erzählt. Leckerchen gab es auch noch. Für uns war es schön zu erleben, wie sich alle auf unseren Besuch freuten. Ich wurde der Star vom Glockengarten und sogar in der Tageszeitung wurde über mich berichtet.

Ja so vergingen einige Jahre, aber auch ein Besuchshund wird älter und von Alterswehwehchen geplagt. Jupp und ich mussten über meinen Ruhestand nachdenken.

Seit Ende Januar 2015 bin ich Besuchshund a.D.

Ich bin schon etwas traurig, aber ich habe einen jungen sympathischen Nachfolger gefunden, ANTON, auch ein brauner Labrador. In Kürze wird Anton sich hier vorstellen.

Ich werde weiterhin zum Stammtisch kommen und an Gemeinschaftsaktivitäten des Vereins teilnehmen. Außerdem ist Jupp seit einigen Jahren der 2. Vorsitzende des Vereins und ich bin somit Vorstandshund. An den Vorstandssitzungen nehme ich unter dem Tisch liegend teil.

Auch als Hundesenior muss man geistig fit und auf dem Laufenden bleiben. Gerne gebe ich auch dem Nachwuchs Tipps für den Besuchsdienst, manchmal hören die Jungen ja doch auf die Erfahrungen der Alten.

Euer
Jellow, Besuchshund a.D.

P.S. Liebe Hundekolleginnen und -kollegen, wir suchen neue Besuchsteams. Egal ob ihr groß oder klein, lang- oder kurzhaarig, mit oder ohne Rasse seid, meldet Euch doch bitte oder kommt einfach beim monatlichen Stammtisch vorbei. Wir freuen uns auf Euch und Eure Menschen.